Darf man heute den Begriff Indianer noch verwenden?
Indianer – Indigene – Native Americans – First Nations – American Indians?
Indianer? Indianerschmuck und Indianerkunst? Sind diese Begriffe politisch und ethisch korrekt, oder stellen sie eine Beleidigung für die indigenen Völker Nordamerikas dar?
In den USA werden Bezeichnungen wie „Native Americans“ oder „American Indians“ verwendet, in Kanada ist „First Nations“ verbreitet. Gleichzeitig existieren weiterhin Medien wie „Native America Today“. Die Diskussion zeigt, dass auch innerhalb der Gemeinschaften keine einheitliche Bezeichnung existiert.
In keiner indigenen Sprache gibt es einen übergeordneten Begriff für alle indigenen Völker Nordamerikas. Zudem ist der Ausdruck „indigene Völker“ global zu verstehen, da er auch Gemeinschaften in Australien, Afrika oder anderen Regionen bezeichnet, die ähnliche historische Erfahrungen von Kolonisierung und Unterdrückung gemacht haben.
Auch die Menschen selbst diskutieren, wie sie benannt werden möchten:
Wann immer möglich, verwende ich auf dieser Website englische Begriffe.
Gleichzeitig besteht ein Spannungsfeld: Ich möchte das authentische traditionelle Handwerk indigener Künstlerinnen und Künstler einem europäischen Publikum näherbringen. Suchmaschinen funktionieren jedoch nach Nachfrage. Ein grosser Teil der Nutzer sucht weiterhin mit Begriffen wie „Indianer“ oder „Indianerschmuck“.
Ich stehe daher vor einem Dilemma: einerseits den gebührenden Respekt gegenüber den Künstlerinnen und Künstlern zu wahren, andererseits ihre Arbeiten sichtbar und zugänglich zu machen.
Noch immer verkleiden sich viele Menschen zu Fasnacht als „Indianer“ oder suchen gezielt nach Begriffen wie Indianerschmuck oder Indianerflöten. Nur wenige suchen nach „Schmuck indigener Künstler Nordamerikas“. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass solche Begriffe Teil eines vereinfachenden und verzerrenden Blicks sind.
Es stehen sich zwei Ebenen gegenüber: die real existierenden Nationen mit ihren differenzierten Kulturen und ein westlich geprägtes, oft stereotypes Bild. Ziel ist es, respektvolle und präzise Sprache zu fördern und gleichzeitig die tatsächlichen kulturellen Leistungen sichtbar zu machen.
Eurozentrismus und fortbestehende Ignoranz
Die historische Perspektive ist entscheidend. Europäer erreichten einen ihnen unbekannten Kontinent und trafen auf komplexe Gesellschaften mit eigenen politischen, sozialen und religiösen Systemen. Statt diese Vielfalt anzuerkennen, wurden viele dieser Kulturen als primitiv bewertet und systematisch verdrängt.
Alle indigenen Nationen verfügten über eigene Ordnungen, Sprachen und Weltbilder. Dennoch wurden Fremdbezeichnungen eingeführt und bestehende Strukturen oft gewaltsam europäischen Normen unterworfen. Die daraus entstandenen Darstellungen prägten langfristig stereotype Bilder.
Die Native American Association of Germany e.V. weist darauf hin: „Obwohl im Internet massenweise Informationen verfügbar sind, halten viele Organisatoren von ‚Indianerfesten‘ oder ‚Indianercamps‘ an überholten Klischees fest.“
Viele Begriffe und Vorstellungen sind ungenau oder vollständig konstruiert. Unterschiedliche Nationen werden pauschal zusammengefasst, und vermeintlich typische Bräuche entpuppen sich häufig als Missverständnisse oder Erfindungen.
Beispiele für verbreitete Klischees
- Federschmuck und Stirnbänder: Oft als typisch dargestellt, gehören sie nur zu bestimmten Kulturen und haben spezifische Bedeutungen. Die verbreitete Form ist stark von Film und Popkultur geprägt.
- „Marterpfahl“: Eine verzerrte Darstellung, die mit realen kulturellen Objekten wie Totempfählen nur wenig gemein hat und regional stark begrenzt ist.
- „Squaw“: Ein historisch belasteter Begriff, dessen Verwendung heute als problematisch gilt.
Respektvolle Sprache
Die Entwicklung einer angemessenen Sprache ist ein fortlaufender Prozess. Begriffe wie „Native Americans“, „indigene Völker“ oder die jeweiligen Eigenbezeichnungen der Nationen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Jede Person kann dazu beitragen, indem sie sich informiert und bewusst mit Sprache umgeht. Sprache ist kein statisches System, sondern verändert sich im Laufe der Zeit. Diese Entwicklung ermöglicht es, Klischees abzubauen und den tatsächlichen Lebensrealitäten näherzukommen.
Der prairie wind Kodex
Aus diesen Gründen vermeide ich nach Möglichkeit die Begriffe „Indianer“, „Indianerschmuck“ und „indianische Kunst“.
Ich biete handgefertigten Schmuck, traditionelle Handwerksarbeiten und Musikinstrumente, die von indigenen Künstlerinnen und Künstlern Nordamerikas hergestellt wurden. Es handelt sich nicht um pauschale Kategorien, sondern um konkrete kulturelle Ausdrucksformen einzelner Nationen.
Authentizität
Alle Produkte stammen ausschliesslich von indigenen Künstlerinnen und Künstlern. Es werden keine Objekte angeboten, die spirituelle Bedeutung haben oder auf westlichen Projektionen beruhen.
Handarbeit
Jedes Stück ist ein individuelles Produkt traditioneller Fertigung.
Unikate
Mit Ausnahme von Moccasins und CDs handelt es sich ausschliesslich um Einzelstücke, die mit einem Zertifikat geliefert werden.
Fairer Handel
Iris Herzig pflegt seit vielen Jahren direkte Beziehungen zu Angehörigen nordamerikanischer Nationen wie Dakota/Lakota, Blackfeet, Zuni, Hopi, Kewa und Navajo. Der Einkauf erfolgt ohne Zwischenhandel direkt bei den Künstlerinnen und Künstlern, wodurch faire Preise und verlässliche Einnahmen ermöglicht werden.
Haben Sie Fragen oder wünschen Sie weitere Informationen? Ich berate Sie gerne. Nehmen Sie jederzeit Kontakt auf.
Weiterführende Informationen
Seit Jahren wird intensiv darüber diskutiert, ob der Begriff „Indianer“ heute noch verwendet werden sollte. Weitere Perspektiven finden Sie auf der Website der
Native American Association of Germany e.V..
Zahlreiche Organisationen engagieren sich zudem konkret für die Unterstützung indigener Gemeinschaften:
Links zu Organisationen der Native Americans.